
Angel Heart
- Jahr
- 1987
- Regie
- Alan Parker
- Land
- Großbritannien, USA
- Laufzeit
- 113 Minuten
Ein Detektivfilm, der sich langsam in einen Höllentrip verwandelt — und der die Auflösung längst gezeigt hat, bevor du sie verstehst.
Diese Kritik enthält im hinteren Teil eine als solche markierte Spoiler-Sektion.
Harry Angel nimmt einen Auftrag an, den niemand annehmen sollte. Ein Mann, der sich Louis Cyphre nennt, sucht einen verschwundenen Sänger. Die Bezahlung ist gut, der Fall wirkt simpel, und Angel fragt nicht nach, warum sein Auftraggeber so lange Fingernägel hat.
Was Alan Parker daraus macht, ist kein Horrorfilm im Sinne von Schockmomenten. Es ist ein Film über Hitze. New York im Winter, dann Louisiana im Sommer, und mit jedem Kilometer nach Süden wird das Bild feuchter. Michael Seresins Kamera findet überall Wasser: tropfende Rohre, Regen auf Fensterscheiben, Schweiß. Bis der Film am Ende in einem Keller ankommt, in dem alles zusammenläuft.
Was der Film mit dir macht
Der Trick ist, dass die Auflösung von Anfang an sichtbar ist. Der Name Louis Cyphre ist kein Rätsel, sondern ein Witz auf Kosten des Zuschauers. Parker zeigt dir Ventilatoren, die sich drehen, Fahrstühle, die nach unten fahren, und einen Mann, der ein Ei isst. Nichts davon ist versteckt.
Angel sieht es trotzdem nicht. Und weil die Kamera bei ihm bleibt, siehst du es auch nicht — bis der Film beschließt, dass es Zeit ist.
Mickey Rourke spielt das mit einer Erschöpfung, die er in den Jahren danach nie wieder so hinbekommen hat. Kein harter Kerl, sondern jemand, der zu wenig schläft und zu viel raucht. De Niro als Cyphre hält sich fast völlig zurück: leise Stimme, langsame Bewegungen, und genau deshalb funktioniert er.
Wo du ihn sehen kannst
Zur Verfügbarkeit und zu den Unterschieden zwischen den Fassungen steht alles im Fassungs-Guide. Kurz: Die deutsche Kinofassung war geschnitten, die aktuelle Blu-ray ist es nicht.
Wenn dir der Film gefällt, führt der Weg weiter über die Liste Neo-Noir, das wehtut.
Spoiler
Angel ist Johnny Favorite. Er hat seine Seele verkauft, den Vertrag brechen wollen und sich mit einem Ritual die Identität eines anderen Mannes genommen. Die Morde, denen er nachjagt, hat er selbst begangen — jedes Mal, wenn er einem Zeugen zu nahe kommt, stirbt der, weil Angel ihn tötet und es vergisst.
Was den Film über seinen Twist hinaushebt: Er ist kein Rätsel, das gelöst wird, sondern eine Falle, die zuschnappt. Angel sucht sich selbst und findet sich. Die letzte Einstellung — der Fahrstuhl, der immer weiter nach unten fährt — sagt in zehn Sekunden, was der ganze Film aufgebaut hat.
Die Sexszene mit Lisa Bonet hat 1987 die MPAA beschäftigt und dem Film in den USA fast ein X-Rating eingebracht. Das ist heute die uninteressanteste Sache am Film. Interessanter ist, dass die Szene erzählerisch nötig ist: Sie ist der Moment, in dem Angel die letzte Grenze überschreitet, ohne zu wissen, welche.